Bernd Philipp Publizist und Philodoof
„Lebenslagen“- History Im März 1981 veröffentlichte ich meine Kolumne „Lebenslagen“ zum ersten Mal. Sie erschien jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost und seit April 2012 auf meiner Homepage. Meine Kolumne ist damit wohl die älteste von einem einzigen Autor geschriebene Kolumne Deutschlands. Noch immer geht es um den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Um Liebe, Frust, Politik und Medien.
1903. Lebenslage vom 25.06.2017 Visionen für die Formel 1: Tempo 30-Runde als Strafe. Fahrer wechseln ihre Reifen selbst… Seit langem wartet die große Fußballgemeinde auf die „neue Fifa“, wie sie mal versprochen wurde. Aber die von Korruptionen, dubiösen Absprachen und sehr konkreten Finanzmanipulationen geschüttelte Männer-Riege sumpft weiter vor sich hin. Vor den bevorstehenden Weltmeisterschaften in Russland und Katar hält man sich eher bedeckt – dafür aber jetzt der Knaller! Die Fifa erwägt eine „Regel-Revolution“ mit einer gestoppten Netto-Spielzeit von 60 Minuten. Die Uhr läuft nur, wenn der Ball wirklich rollt. Bei deutlicher Kritik am Schiedsrichter soll es einen Punkt- oder Torabzug gehen. Genial! Am Ende zum Beispiel der Bundesliga-Saison könnte es theoretisch sein, dass nach dem letzten Spieltag alle Vereine mit null Punkte haben, weil sie den Schiedsrichter gefoltert haben. Nur Visionäre können sich so etwas ausdenken. Ich habe ja auch Visionen, obwohl Helmut Schmidt damals sagte: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen…“ (über Willy Brandt übrigens) Quatsch! Hier meine Visionen über die Regeln bei der Formel 1: ! Die Fahrer müssen in der Box ihre Reifen alleine wechseln. Das kann natürlich dauern, aber erhöht die Spannung. ! Kontakte zum eigenen Stall sind während des Rennens verboten. Die Herren verdienen doch so viel Geld – da sollten sie die Rennsituation schon selber einschätzen können. ! Wer zu dicht auf den Vordermann auffährt, wird mit einer Tempo-30-Runde bestraft (als Vorbild gedacht für den vor dem Fernseher sitzenden „Auto Normalverbraucher“). ! Firmenwerbung auf der Strecke wird abgeschafft, auf den Boliden ebenso wie auf den Overalls und Helmen der Fahrer. Denn für Werbung macht ja RTL ohnehin schon nicht enden wollende Pausen. So, und jetzt werde ich mir mal was einfallen lassen, wie man denn beim Dressurreiten ohne Pferd auskommen könnte… KOHL ALS CHRIST UND VATER: WAS FÜR EIN TRAUERSPIEL! Nun sind die Lob-Gesänge auf Helmut Kohl so  langsam verklungen. Angeblich, so die Medien, war die ganze Welt zutiefst schockiert über den Tod des „Kanzlers der Einheit“. Wirklich schockiert? Ich kenne nicht einen, der sich vor Trauer geschüttelt hätte. So selten ist es ja nicht, dass ein Mann mit 87 Jahren, schwerstkrank und nicht mehr Herr seiner Sinne, das Zeitliche segnet. Seine politischen Erfolge sind unbestritten. Die Wiedervereinigung ist sein großes, historisches Werk. Aber warum hatte der Erbauer des „Europäischen Hauses“ nicht mal mehr einen Platz für seine Söhne? Acht Jahre lang hat er sie behandelt wie Eindringliche. Sie durften nicht einmal in ihr Geburtshaus. Er wollte seine Enkel nicht sehen. Wo doch der große Mann immer so viel Wert legte auf das „C“ in dem Namen seiner Partei. Ist es das, was er unter „christlich“ verstand? Die Söhne, die unter der Kanzlerschaft ihres Vaters schwer zu leiden hatten, weil sie in der Schule gemobbt und geschlagen wurden – sie erfuhren vom Tod im Autoradio, durften ihn selbst auf dem Sterbelager nicht sehen, um Abschied zu nehmen. Ich dachte sofort an diesen Aufkleber für Hunde: „Wir müssen draußen bleiben!“. Was für eine Tragödie! Seine junge Frau Maike, die mir irgendwie seltsam erscheint, schirmte ihn ab von seinen Söhnen und Enkeln. Was für ein kümmerliches „c“ muss im Herzen dieses Mannes gesteckt haben? DER MANN, DER BERLIN UNKELT Jörg Unkel Foto: Die Hauptstadtfotografen Jörg Unkel, Chef des Foto-Labels „Die Hauptstadtfotografen“, ist ein Mann für alle (Ein-)Fälle. Seine Auftraggeber: Veranstalter großer Events, Top-Unternehmen, die Werbefotos brauchen, und – immer mehr Hochzeitspaare, die sich vom Foto-Profi am wichtigsten Tag ihre Lebens begleiten lassen. Dieses Brautpaar hatte sich entschlossen, im Rockabilly-Style der 50er Jahre zu heiraten. Passend in einem Original Oldsmobil aus dem Jahre 1954. Dieses Bild schoss Uncel im Berliner Landschaftspark zwischen Johannisthal und Adlershof – natürlich zeitgemäß zu den Fünfzigern in schwarz-weiss. (www.hauptstadtfotografen.de/) KURZ & UNINTERESSANT Klatsch und Tratsch in Schlagzeilen für alle, die sich die bunten Blättchen nicht kaufen, aber dennoch mitreden wollen. --- Uppps, Ball im Aus! 6 Millionen Schulden? Londoner Konkurs-Richterin erklärt Boris Becker als „bankrott“ (der dementiert) --- Macht Trump seine Ehe „greater again“? Beobachter sprechen über Scheidung. Weil sie schon lange einen anderen hat --- 16 Jahre jünger: Comedy-Ikone Gabi Decker (60) will ihren Freund Heiner (44) heiraten – sein Antrag kam bei einer Bulette… --- Einfach süß! Popstar Adele kümmerte sich um die Angehörigen des Londoner Hochhausbrandes – und jetzt bedankte sie sich bei den Jungs der Feuerwache Chelsea mit Tee und Torte --- Ex- Playmate Pamela Anderson liebt Wikileaks-Gründer Julian Assange (seit 5 Jahren in freiwilliger Gefangenschaft in der Botschaft Equadors in London --- Madonna gratuliert sich selbst zum Vatertag: „Ich bin Mommy und Daddy zugleich! (ihre sechs Kinder erzieht sie allein) --- So, das müsste reichen für die Woche! ZITAT I Thema: Huldigung und Ehrung „Im Prinzip ist Kohl das ideale Einheitsdenkmal. Man könnte ihn in die verflixte Wippe integrieren oder die Wippe ganz weglassen. Vielleicht als begehbare Skulptur in Übergröße? Eine Art europäische Freiheitsstatue, die man im Hafen von Calais aufstellen könnte und die alle begrüßt, die sich in der EU mit ehrlicher Arbeit ihr Geld verdienen wollen…“ (Der Satiriker Hans Zippert in seiner „WELT“-Kolumne „Zippert zappt“, Auszüge) ZITAT II Thema: Neulich beim Arzt „Die Ärztinnen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Mit 18 musste ich mich ganz ausziehen, mit 40 den Oberkörper freimachen. Jetzt wollen sie nur noch meine Zunge sehen!“ (Facebook-Stoßseufzer eines Mannes, voller Anteilnahe geteilt von Ronny Richter)